Fokus
Themen
Diesen Themen widmet sich PCN-S:
Chancen der pharmazeutischen Verordnung
Mit der Einführung der neuen Abgabekategorie B+ im Arzneimittelmarkt wird die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente durch Apotheker:innen möglich (= «pharmazeutische Verordnung»). Eine neue Dimension in der praktischen Offizintätigkeit, auf welche wir lange gewartet haben. Nun gilt es, die Chancen zu nutzen und neben der inhaltlichen Leistung auch die sachgerechte Tarifierung sicherzustellen!
Mitglieder von PCN-S haben massgeblich zur Entwicklung, Implementierung und Unterstützung bei der Tarifierung der pharmazeutischen Verordnung beigetragen. Eine gute Übersicht liefert dieses Merkblatt.
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Etablierung von interprofessionellen Netzwerken
Der Zugang zu kompetenten Ansprechpersonen rund um das Medikament wird für die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen je länger je wichtiger. Höchste Zeit also, allenfalls vorhandene und verstaubte Vorurteile abzubauen und Kontakte zwischen den entsprechenden Berufsgruppen zu knüpfen!
Ein Beispiel eines interprofessionellen Projekts ist P3S. In diesem Projekt sollen dank interprofessioneller Zusammenarbeit zwischen Grundversorgern (Hausarztpraxis und Apotheke) und Patienten arzneimittelbezogene Probleme reduziert werden. Dafür werden Risiken für arzneimittelbezogene Probleme in der Hausarztpraxis mithilfe eines Fragebogens identifiziert. Bei einem erhöhten Risiko können nach einer Medikationsanalyse in der Apotheke dank interprofessioneller Zusammenarbeit gezielt Massnahmen zur Therapieoptimierung ergriffen werden. Strukturierte Daten ermöglichen eine kontinuierliche Verbesserung der Arzneimittelsicherheit.
Weiteres zum Thema, siehe auch: https://www.interprofessionalitaet.ch/aktuell
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Pharmakogenetische Testung und Beratung
Im Fokus pharmakogenetischer Betrachtungen steht die individuelle Variabilität der genetischen Information von Genen, deren Produkte (Enzyme, Rezeptoren, Transporter) häufig direkt an der Pharmakokinetik eines Wirkstoffes beteiligt sind.
Das Ziel der Pharmakogenetik ist es, mithilfe eines genetischen Testes, diejenigen Patienten zu identifizieren, die besonders von einem bestimmten Arzneistoff profitieren, oder diejenigen zu finden, die aufgrund ihres genetischen Hintergrunds ein vorhersehbares Risiko für das Auftreten von unerwünschten Arzneimitteleffekten oder für das Ausbleiben der Wirkung in sich tragen. In Kombination mit den besser bekannten Effekten durch Wechselwirkungen zwischen mehreren Arzneistoffen führt die pharmakogenetische Variabilität zu sehr komplexen Einflüssen auf die Wirkung von Arzneimitteln.
Diese neue Dimension der Klinischen Pharmazie soll auch in der Praxis zur Anwendung finden. Erste Erfahrungen und Projekte sind vielversprechend.
- Hinweise zu Pharmakogenetik in der Fachinformation
- Pharmakogenetische Testung und Beratung, eine neue interprofessionelle Dienstleistung
- Datenbankanalyse von mehr als 140 Patienten mit Nebenwirkungen oder Therapieversagen
- Tests im ambulanten Bereich in der Schweiz: Eine deskriptive Studie unter Verwendung von Schweizer
Abrechnungsdaten
Wo das Potential für die Beratungspraxis in der Apotheke liegt, zeigt sich eindrücklich in einigen Fallberichten:
- Pharmakogenetik als add-on bei einer Medikationsanalyse, z.B. bei der Therapie mit Tamoxifen
- Dem Therapieversagen auf der Spur: Beispiel Oxycodon
- Wie ein pharmakogenetisches Profil bei hochdosierten Quetiapin-Therapien Nebenwirkungen verstehen lässt
- Hat ein CYP2D6 Polymorphismus Einfluss auf die topische Applikation von Timolol?
- Die pharmakogenetisch gestützte Auswahl von Antidepressiva als Chance für die interprofessionelle Zusammenarbeit
- Nebenwirkungen auf Medikamente genetisch vererbbar? Pharmakogenetik beweist das Gegenteil
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Implementierung von Gesundheitsdienstleistungen
Implementierung ist der Prozess der Anwendung oder Integration einer evidenzbasierten Intervention in die Praxis. Die Implementierungswissenschaft beschäftigt sich mit Methoden zur Förderung der systematischen Übernahme von evidenzbasierten Verfahren in die Routinepraxis und womit sie zur Verbesserung der Qualität und Wirksamkeit von Gesundheitsdienstleistungen beiträgt.
Nähere Infos zum Thema:
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Projekte
Diese Projekte beschäftigen PCN-S:
Pharmazeutische Verordnung bei häufigen Gesundheitsstörungen
Öffentliche Apotheken bieten eine effiziente und leicht zugängliche Lösung für die Behandlung häufiger Gesundheitsstörungen. Insbesondere die pharmazeutische Verordnung (Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten ohne ärztliche Verschreibung) hat seit ihrer Einführung im Jahr 2019 allmählich den Weg in die tägliche Praxis der Schweizer Apotheken gefunden. Ziel des vorliegenden Projekts ist es, einen Überblick über die aktuelle Praxis der pharmazeutischen Verordnung zu gewinnen, bestehende Lücken zu identifizieren sowie das verbleibende Potenzial dieser neuen Behandlungsoption auszuloten. Mithilfe dieser explorativen Studie sollen Daten gesammelt werden, um ein landesweites Folgeprojekt zu planen, das die Wirksamkeit, Sicherheit und die wirtschaftlichen Auswirkungen der pharmazeutischen Verordnung zur Behandlung häufiger Gesundheitsstörungen im Schweizer Gesundheitssystem bewertet.
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Qualitätsindikatoren bei Diabetes
Apotheker:innen in öffentlichen Apotheken spielen eine wesentliche Rolle bei der Betreuung von Menschen mit Diabetes. Interventionen durch Apotheker:innen führen zu erheblichen Verbesserungen der klinischen und humanistischen Ergebnisse für Patient:innen und zu einer Senkung der Kosten für die Gesellschaft.
Das Diabetes-Handbuch der International Pharmaceutical Federation (FIP) kann als internationale Richtlinie für die pharmazeutische Versorgung bei Diabetes angesehen werden: https://knowledge-action-portal.com/en/content/diabetes-prevention-screening-and-management-handbook-pharmacists-2021
Die dort gemachten Empfehlungen basieren auf Forschungsergebnissen, aber auch auf der gewünschten Situation, in der Apotheker:innen Teil eines multiprofessionellen Teams rund um Diabetespatient:innen sind. Idealerweise werden mit einer Richtlinie auch Qualitätsindikatoren entwickelt, die den Grad der Umsetzung der Richtlinienempfehlungen in der Praxis messen. Aus diesem Grund hat das Pharmaceutical Care Network Europe (www.PCNE.org) mit seiner Arbeitsgruppe „Guidelines & Indicators” 18 Qualitätsindikatoren entwickelt als Basisset für alle Facetten der beschriebenen pharmazeutischen Diabetesversorgung. Diese Indikatoren wurden von einem internationalen Expertengremium als inhaltlich valide, also als relevant für die Versorgung durch den Apotheker bzw. die Apothekerin, bewertet. Bevor dieses Set jedoch zu Messungen in verschiedenen Ländern verwendet werden kann, müssen zunächst die Messbarkeit, Anwendbarkeit, Klarheit der Definitionen, Verbesserungsmöglichkeiten und die Unterscheidungskraft dieser Indikatoren geprüft werden. Dies ist das Ziel einer aktuellen Feldstudie in 21 Ländern. Erste Ergebnisse sollten Im Sommer 2026 vorliegen.
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Smarter Medicine
Der gemeinnützige Verein «smarter medicine – Choosing Wiseley» hat in Zusammenarbeit mit diversen Gesundheitsberufsverbänden sogenannte Top-5-Listen publiziert. Dies mit dem Ziel, in den jeweiligen Bereichen Behandlungen aufzuführen, die unnötig sind und nicht in erster Linie dem Wohle der Patientin beziehungsweise des Patienten dienen. Ziel ist, Über- und Fehlbehandlungen zu vermeiden.
Auch in der pharmazeutischen Patientenbetreuung gibt es vermeidbare Überversorgung. Vor diesem Hintergrund hatte PCN-S 2021 die Initiative ergriffen, eine Top-5-Liste für die Pharmazie zu erarbeiten. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Offizinpharmazie, der Spitalpharmazie und der Akademie wurde entschieden, einen Fokus auf «Empfehlungen zum Umgang mit Medikamenten an Schnittstellen» zu setzen. Die Empfehlungen wurden im Frühjahr 2025 breit kommuniziert. Diese erste Top-5-Liste aus der Pharmazie kann in
der Zukunft noch ergänzt werden: Verschiedene medizinische Fachdisziplinen haben bereits mehrere Listen publiziert.
Für die Umsetzung in der eigenen pharmazeutischen Praxis empfehlen wir, die Empfehlungen in internen Teamsitzungen zu thematisieren. Viele Empfehlungen erfordern eine interprofessionelle Zusammenarbeit und gegebenenfalls auch Rücksprachen. Sie sind ein Steilpass für die interprofessionelle Patientenbetreuung.
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Hepatitis C Screening in Apotheken
Hepatitis C mag für die meisten von uns nicht das grosse Thema sein. Man denkt in erster Linie an teure Therapien, welche unterdessen eine tatsächliche Heilung garantieren. Dass in der Schweiz trotz aller Präventionsmassnahmen noch immer zehntausende Menschen mit HCV infiziert sind, ist weniger bekannt. Die Schweiz beteiligt sich aktiv an der weltweiten Eliminationsstrategie der chronischen Hepatitis und zeigt dabei eine Vorreiterrolle. Dank der neuen Therapien konnten viele HCV-Patienten erfolgreich antiviral therapiert werden woraus eine fallende Prävalenzrate resultiert. Jedoch wissen noch immer viele Betroffene nichts von Ihrer Erkrankung – obwohl es einfache Möglichkeiten für ein Aufdecken der Erkrankung gäbe.
Im Rahmen eines Educational Grants der Firma Abbvie lancierte PCN-S ein Projekt im ambulanten Setting, welches die Implementierung von Wissen, Netzwerk und Können zur interprofessionellen Durchführung eines Hepaitits-C-Screenings in Offizinapotheken zum Ziel hat.
Am 8. PCNE Working Symposium in Lissabon wurden wir nominiert, unsere Resultate mit einem Poster sowie einem Vortrag vorstellen. Dabei wurde das Projekt mit dem ‚FI Oral Communication Award‘ für die beste Präsentation ausgezeichnet. Wir freuen uns sehr über diese Form der Anerkennung und danken der Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung aus Deutschland für ihr Engagement.
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PCN-S fördert!
Projekte mit Bezug zur pharmazeutischen Betreuung werden durch PCN-S unterstützt. Gerade bei lokalen Initiativen können irgendwann Kosten anfallen, welche nicht privat getragen werden sollen. Wir benötigen zur Prüfung einen Kurzbeschrieb des Projekts sowie Hinweise zur konkreten Verwendung eines allfälligen Beitrags. Maximal können CHF 500 pro Eingabe gesprochen werden.
Hier finden Sie das Antragsformular. Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Zögern Sie nicht, absehbare Aufwendungen von Praxisarbeiten, Pilotprojekten oder interprofessionellen Austauschformaten anzumelden, um ohne grosse Umstände die erforderliche Unterstützung zu erfahren.
Wir freuen uns auf Ihre Projekteingaben an Kurt Hersberger.